Ein Wolfsrudel frisst seine Beute Auftragsformular mit BARF Profil Eine Katze trägt eine erbeutete Maus im Maul Rohe Rinderniere Ein Wolf trägt ein erbeutetes Wildkaninchen im Maul Extrudiertes Hundefutter Eine Katze frisst rohes Fleisch Rohe fleischige Knochen Saugende Hundewelpen

BARF Rechner – Nutzen und Risiken

Jeder Barfer sieht sich früher oder später mit der Thematik der Rationsberechnung konfrontiert: Muss ich meine BARF Ration berechnen lassen? Wie bekomme ich eine BARF Berechnung? Genügt der Futterplan aus einem BARF Buch? Hilft mir ein Online BARF Rechner mehr? Oder brauche ich eine Rationsberechnung vom Tierarzt? Eventuell helfen die folgenden Erläuterungen zu den Themen Futtermenge, Futterplan und Haftung bei Fehlernährung bei der Beantwortung dieser Frage...


BARF Rechner - Boxerforum und BARF Bücher
Bild links: BARF Bücher (von oben nach unten): BARF - Biologisch Artgerechtes Rohes Futter - Die artgerechte Ernährung des Hundes mit BARF (Swanie Simon), BARF für Hunde - Den besten Freund gesund ernähren (Marianne Kohtz-Walkemeyer), BARF-Rezepte (Raphaela Koller), 1x1 der Rohfütterung - Hunde artgerecht ernähren mit BARF (Brigitte Rauth-Widmann), Natural Dog Food - Rohfütterung für Hunde - Ein praktischer Leitfaden (Susanne Reinerth), B.A.R.F. Artgerechte Rohernährung für Hunde - Ein praktischer Ratgeber (S. L. Schäfer, B. R. Messika)
Bild rechts: "B.A.R.F. Rechner" des "Boxerforums" (Quelle: http://www.das-boxerforum.de/barf-rechner.php)

BARF Futtermenge

In häufig verkauften BARF Büchern und im BARF Rechner des „Boxerforums“ (siehe Bild) wird die Futtermenge auf Basis eines Prozentwertes aus dem Körpergewicht des Hundes bestimmt. Während in den Büchern Werte zwischen 2 und 6 % kursieren, entsprechen im BARF Rechner des „Boxerforums“ die Optionen zum „Hundetyp“ jeweils Werten zwischen 1,6 und 6 % (einfach die Zahl 100 als „Gewicht“ eingeben, „Hundetyp“ wählen, auf „B.A.R.F. Menge ausrechnen“ klicken und den Wert im Feld „Tagesportion“ ablesen). Im Falle einer Gewichtsabnahme führt ein Haken im entsprechenden Kästchen jeweils zu einer Erhöhung um 0,5 %.

Warum bloß unterscheiden sich diese Werte von Autor zu Autor so sehr?
Zunächst einmal könnte dies ganz grundsätzlich daran liegen, dass sich die Autoren nicht auf so etwas wie ein „allgemeingültiges Wissen zum Barfen“ stützen, sondern jeder lediglich seine Meinung zu dieser Thematik schreibt. Darüber hinaus könnte man auch spekulieren, dass die Autoren bereits selbst gemerkt haben, dass eine solche Bestimmung der Futtermenge eher selten dem entspricht, was der Hund tatsächlich braucht und dieser in der Folge an Gewicht verliert oder zunimmt. Entsprechend brauchte es dann wieder eine Korrektur und somit auch eine neue Zahl für die Berechnung. Allzu unwahrscheinlich wäre diese Annahme wohl nicht, da sich solche Prozentzahlen nun einmal überhaupt nicht für die Berechnung einer Futtermenge verwenden lassen, wie die Antwort auf die nächste Frage erklärt.

Wie kommen die Autoren darauf, dass sich die nötige Futtermenge auf diese Weise berechnen lässt?
Viele der Buchautoren behaupten ohne eine Quelle zu nennen, dass Ernährungswissenschaftler solche Futtermengen in prozentualer Abhängigkeit vom Körpergewicht des Hundes empfehlen würden. Dies entbehrt jeder Grundlage. Beispielhaft kann an dieser Stelle Prof. Zentek (FU Berlin) aus seinem Buch „Ernährung des Hundes“ zitiert werden:

„Die adäquate Futtermenge ergibt sich aus dem Energiebedarf des zu versorgenden Hundes
und dem Energiegehalt der Futtermischung.“
Univ.-Prof. Dr. Jürgen Zentek (Freie Universität Berlin, Institut für Tierernährung), Ernährung des Hundes (5. Auflage, Enke Verlag)

Dies gilt im Übrigen für alle Fütterungsformen, auch das Barfen. Ebenso wie in der Ernährungsmedizin und Ernährungsberatung für Menschen erfolgt auch in der Tiermedizin und der Tierpflege die Berechnung der Essens- bzw. Futtermenge einzig sinnvoll auf Basis des individuellen Energiebedarfs und eben nicht in Abhängigkeit vom Körpergewicht. Sofern also die Berechnung mittels Prozentzahl nicht aus Zufall dem tatsächlichen Bedarf des Hundes entspricht, erhält dieser entweder zu viel oder zu wenig Energie übers Futter. Ein Energiemangel bringt den Hund in eine katabole Stoffwechselsituation und der Körper baut vorhandene Substanz zu Lasten der Funktionalität verschiedener Organsysteme ab. Zu viel Energie führt im Gegenzug zur Entwicklung von Übergewicht und den bekannten Begleit- und Folgeerkrankungen.
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BARF Futterplan

Auch wenn die beschriebenen Fehler bei der Berechnung der Futtermenge schon ein gewisses Gesundheitsrisiko bergen, so besteht die ungleich größere Gefahr jedoch in der fehlerhaften Zusammenstellung vieler Futterpläne. Auch wenn man dies groß und breit ernährungsmedizinisch erläutern könnte, reicht eigentlich zur Erklärung auch schon ein Blick auf die Ernährungsweise des Wolfes, dessen Unterart jeder Haushund darstellt.

Ein Wolf mit Beute - seinem natürlichen BARF Futterplan
Wolf mit natürlichem "BARF Futterplan"

Zunächst einmal haben Wölfe (ebenso wie Hunde) einen sehr dehnbaren Magen und verschlingen bei jeder Mahlzeit so viel von der Beute wie sie nur können und ohne dabei groß zu selektieren. Fleisch, Organe, Knochen etc. werden zusammen mit dem Magendarmtrakt und Anteilen von dessen Inhalt gefressen. Auch wenn die unterschiedlichsten Tierarten zur Beute des Wolfes werden, so sind deren Körper evolutionsbedingt doch immer nach einem sehr ähnlichen Prinzip aufgebaut (Kochen und Muskeln, Leber, Nieren, Magendarmtrakt usw.). Doch nicht nur vom Aufbau ihrer Organsysteme her ähneln sich diese Tiere sehr, auch die enthaltenen Nährstoffe entsprechen einander sehr. So enthält beispielsweise nicht nur die Leber des Wildkaninchens je Gramm reichlich Vitamin A, sondern auch die des Hirsches, der Ente und der Maus. Ganz entscheidend für eine gesunde (natürliche) Ernährung von Raubtieren ist, dass das Nährstoffverhältnis in jeder Beute unabhängig von der Spezies sehr ähnlich ist. Frisst ein Wolf eine Maus, so nimmt er eine kleine Leber zusammen mit einer kleinen Menge Fleisch und einem kleinen Magendarmtrakt auf. Frisst er eine größere Beute wie ein Wildkaninchen oder ein Reh, nimmt er von allen Körperteilen zwar mehr auf, aber weiterhin im gleichen Verhältnis zueinander.
Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass der Wolf keine „Trennkost“ betreibt und unabhängig von der Spezies der Beute jede Mahlzeit natürlicherweise das passende Nährstoffverhältnis aufweist.

Betrachtet man nun schon allein mit diesem Wissen die Futterpläne der erwähnten Bücher sowie diejenigen, welche der BARF Rechner des „Boxerforums“ als Ergebnis auswirft, so fällt schnell auf, dass diese Mahlzeiten nicht wirklich der Zusammensetzung eines Beutetieres entsprechen und in der Folge auch keine richtigen Nährstoffverhältnisse aufweisen können. Die in diesem Zusammenhang gerne aufgestellte Behauptung, dass sich Missverhältnisse von Nährstoffen aufgrund natürlicher Schwankungen auf Dauer ausgleichen würden, ist nicht richtig. Zwar unterliegen die Nährstoffgehalte aller „Naturprodukte“ tatsächlich gewissen Schwankungen, jedoch vermögen diese keine Futterration, die von vornherein schon fundamentale Fehler in der Zusammensetzung aufweist, auf wundersame Weise in eine bedarfsdeckende Ration zu verwandeln. In einem solchen Fall weisen die Nährstoffgehalte der einzelnen Futterzutaten zwar mal höhere und mal niedrigere Werte auf, das Nährstoffmissverhältnis der Gesamtration bleibt jedoch weiterhin bestehen. Eine Korrektur, die allein durch natürliche Schwankungen von Nährstoffgehalten zustande kommt, ist demnach sehr unrealistisch.
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BARF Fehlernährung – Wer haftet?

Wer ist eigentlich schuld, wenn selbsternannte BARF-„Experten“ Tierhaltern ihre Ratschläge zum Barfen geben und in der Folge die Gesundheit von Tieren aufgrund einer Fütterung mit nicht bedarfsdeckenden Futterrationen Schaden nimmt? Oder anders gefragt: Wer trägt in diesem Fall die Kosten einer resultierenden tierärztlichen Behandlung?

Um eines vorweg zu nehmen: Ich bin kein Anwalt (sondern Tierarzt) und darf keine rechtliche Auskunft geben. Dies gilt sowohl für die Frage, wie dieser Sachverhalt bezüglich des BARF Rechners des „Boxerforums“ zu bewerten ist, als auch für Fälle, die eventuelle Haftungsansprüche gegenüber anderen Verlagen von BARF Büchern betreffen. Berichten darf und möchte ich jedoch von der Antwort, die ich seitens des Verlages eines BARF Buches auf die generelle Frage nach der Haftung für Inhalte seiner Ratgeber erhalten habe. In der Antwort des Verlages hieß es bezüglich der Ratgeber im Allgemeinen, dass man im Schadensfall eine Haftung durch den Verlag oder die Autoren ausschließe!
Sicher kann und darf ich zur Haftungsthematik außerdem noch sagen, dass – auch wenn Tierärzte im Gegensatz zu BARF-„Experten“ eine fundierte Ausbildung im Bereich der Tierernährung absolviert haben – Fehler auch hier nicht absolut auszuschließen sind. Doch im Falle des Falles bleibt der Tierhalter nicht allein auf den Folgen sitzen, da jeder Tierarzt seine Tätigkeit verpflichtend mit einer Berufshaftpflichtversicherung mit ausreichender Deckung absichert.


Letztlich muss jeder die Frage nach fundierter Rationsberechnung bzw. einer "Alternative" für sich selbst beantworten und abwägen, wie viel Risiko man bereit ist einzugehen. Das Ziel dieses Textes ist es nicht Tierhalter vom Barfen abzuhalten, sondern lediglich über die Risiken des Barfens aufzuklären. Darüber hinaus ist es meine Hoffnung (und die vieler Kollegen/Innen), dass mehr und mehr barfende Tierhalter den Wert von Prophylaxe (Ernährungsberatung, Rationsberechnung) zu schätzen lernen und in der Folge weniger Tiere infolge von Fehlernährungen eine tiermedizinische Therapie benötigen. Tatsächlich sind Tierärzte also nicht gegen das Barfen, sondern sie möchten, dass jeder Barfer weiß:

Barfen ist nicht ungesund, „irgendwie Barfen“ dagegen häufig schon.

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